Agentur lege artis - Ein Arzt erklärt einem Patienten etwas auf einem Bildschirm

Pharmaziestudierende verbessern Wikipedia

von Lukas Wilke

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Wikipedia ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Gerade hierzulande erfreut sich die Online-Enzyklopädie großer Beliebtheit: Mehr als 2,2 Mio. Einträge machen die deutschsprachige Variante zur zweitgrößten Artikelsammlung. Und laut dem Online-Dienst Alexa Internet, der Daten über Seitenabrufe von Websites sammelt, ist wikipedia.org die am siebthäufigsten besuchte Seite in Deutschland.

 

Auch für Gesundheitsinformationen ist Wikipedia immer wieder eine Anlaufstelle – sowohl für Patienten als auch für Experten der Gesundheitsbranche. Das Problem dabei ist, dass die Qualität der Artikel häufig zu wünschen übrig lässt, da sie überwiegend von Laien verfasst werden. Trotzdem nehmen Nutzer die Informationen häufig für bare Münze. Die deutschsprachige Wikipedia hat auf dieses Problem bereits reagiert und warnt auf vielen medizinischen Seiten mit dem Hinweis: „Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose“. Ob das Leser davon abhält, falsche Informationen aufzunehmen, darf allerdings bezweifelt werden.

 

An einer vielversprechenderen Lösung arbeiten nach einem Bericht der Deutschen Apotheker Zeitung vom 04. Dezember die Pharmazieprofessorinnen Tina Brock (Monash University, Melbourne) und Dorie E. Apollonio (University of California, San Francisco). Denn in Australien sollen ab 2019 angehende Pharmazeuten im Rahmen ihres Studiums lernen, Wikipedia-Einträge über Arzneimittel zu bearbeiten. Die Idee geht auf ein amerikanisches Pilotprojekt zurück, für das Studierende im Zeitraum von 2013 bis 2016 ausgewählte pharmakologische Artikel überarbeitet hatten.

 

Mit beeindruckendem Erfolg: Laut Studienbericht enthielten die Einträge nachher weniger Fehler und seien verständlicher geworden. Zudem haben die Studierenden fehlerhafte Quellen gestrichen und neue Verweise ergänzt. Doch nicht nur die Qualität der Informationen für die Öffentlichkeit habe sich verbessert. Die Studenten hätten darüber hinaus ihre Kommunikationsfähigkeit ausgebaut.

 

Weniger Fachjargon und gute öffentlich zugängliche Informationen im Netz – das Projekt scheint zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wäre das auch in Deutschland denkbar? Erste vergleichbare Ansätze gibt es bereits: Auf der Plattform Was hab’ ich? übersetzen Medizinstudierende kostenlos Arztbefunde in leicht verständliche Sprache. Zudem werden Online-Kommunikationskurse angeboten, um die Mediziner von morgen besser auf Patientengespräche vorzubereiten.

 

 

© Bild: pexels.com

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