Gewalt in den Notaufnahmen bleibt eine große Herausforderung

von Lukas Wilke

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Das Thema ist alles andere als neu, trotzdem geisterten in der vergangenen Woche wieder zahlreiche Schlagzeilen durch Bayerns Presselandschaft: „Randale in der Notaufnahme“ (Süddeutsche Zeitung), „Unruhige Zeiten im Krankenhaus“ (Donaukurier), „Immer mehr Patienten rasten aus“ (Münchener Abendzeitung). Denn die Krankenhäuser im Freistaat sorgen sich um ihre Angestellten.  „Die Gewaltbereitschaft von Patienten und Angehörigen nimmt zu, vor allem in der Notaufnahme“, bestätigte Eduard Fuchshuber, Sprecher der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG), gegenüber der dpa.

 

Mitnichten sind immer Alkohol, Drogen oder psychische Erkrankungen die Ursache dafür. In den hoffnungslos überfüllten Notaufnahmen reicht mittlerweile schon das Gefühl aus, nicht schnell genug an der Reihe zu sein, damit bei manchen Patienten die Sicherungen durchbrennen. Die Folgen: Drohungen, Beleidigungen, körperliche Angriffe, Vandalismus und Diebstahl. Das Klinikum Nürnberg, das im Sommer 2014 als eines der ersten einen privaten Security-Dienst zum Schutz der Mitarbeiter*innen engagiert hatte, wird den Etat für Sicherheit deshalb im neuen Jahr auf rund eine Million Euro aufstocken.

 

Das Problem von übergriffigen Patient*innen und Angehörigen ist jedoch nicht auf Bayern beschränkt. Bundesweit haben die Krankenhäuser mit der steigenden Gewalt gegenüber Rettungskräften zu kämpfen. In einer aktuellen Umfrage der Hochschule Fulda gaben mehr als 75 Prozent der Beschäftigten in Hessens Notaufnahmen an, im vergangenen Jahr Erfahrungen mit körperlicher Gewalt gemacht zu haben. Vor allem nachts fühlten sich die Befragten nicht sicher.

 

Doch sind Bodyguards im Krankenhaus die Lösung? Ein Expertenkreis an der Uni Witten/Herdecke möchte es soweit nicht kommen lassen. Gemeinsam haben sie im vergangenen Jahr ein Memorandum veröffentlicht, mit dem sie die Lage in den Notaufnahmen verbessern wollen. Die Forderungen reichen von baulichen Maßnahmen bis hin zu Pager-Systemen, die es den Wartenden ermöglichen sollen, die eigentliche Wartezone zu verlassen, ohne „übergangen“ zu werden. Vor allem steht aber die Kommunikation zwischen Ärzt*innen, Pflegekräften und Patient*innen im Mittelpunkt.

 

Auch auf dem diesjährigen Kliniksprechertag werden wir uns dem Thema Wartekommunikation widmen. Weitere Informationen zum Programm sowie das Anmeldeformular finden sie hier.

 

 

© Bild: Marion Jaeckl

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