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Mehr Barrierefreiheit durch „Offenheit und Kommunikation“ ?!

von Agentur lege artis

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„Da wurde mir die medizinische Versorgung verwehrt … Ich kam mit vor wie ein Mensch zweiter Klasse …“ – Die Inklusionsbotschafterin der Kooperation Behinderter im Internet e.V., Jennifer Sonntag, machte „erstaunliche Entdeckungen in unserem Gesundheitssystem“. Als sie aufgrund von akuten Gehörproblemen medizinische Hilfe benötigte, wurde ihr ihre Erblindung zum Verhängnis – und dies in einem Bereich, in dem sie es selbst „nicht für möglich gehalten hätte“.

 

Negative Erfahrungen einer blinden Patientin
Sonntag erblindete an Retinitis Pigmentosa (RP), einer erblichen Augenerkrankung, die die Netzhaut des Betroffenen zerstört. In einem Beitrag, den kobinet-Nachrichten.org, die Nachrichtenseite der Kooperation Behinderter im Internet e.V., im letzten Monat veröffentlichte, schildert die Diplom-Sozialpädagogin ihre Erfahrungen, die sie auf der Suche nach ärztlicher Hilfe machte. Bei ihr hatte sich ein „sehr belastender“ Tinnitus eingeschlichen, der sie als blinden Menschen „extrem behindert“ habe.

 

Als die Inklusionsbotschafterin bei verschiedenen Tinnituskliniken telefonisch einen Untersuchungstermin ausmachen wollte, habe sie Antworten bekommen, wie „Sie sind blind!?! Und Sie haben kein Restsehen mehr? Da können Sie sich bei uns nicht zu den einzelnen Therapiestationen orientieren. Das geht nicht. … Dafür haben wir kein Personal.“ oder „Ach, Sie sind blind!?! Ganz blind? Dann können Sie gar nichts sehen. Nein, dann können Sie unser Therapieangebot nicht nutzen. … Es gibt kein Personal …“.

 

Auch Sonntags Vorschlag, eine für die Untersuchung notwendige Übung mithilfe ihres sprechenden Computers selbstständig durchzuführen, wurde abgewiesen: „Da läge ja ein Patentrecht drauf und mit Nichten könne ich das Handbuch als elektronische Textfassung bekommen. Ich könne ja Missbrauch damit betreiben.“

 

Positivbeispiele wenig verbreitet
Nach einer langen Suche habe Sonntag, so erzählt sie, schließlich doch noch eine Klinik gefunden, in der ihre Erblindung kein Hinderungsgrund war. In ihrem Beitrag gibt sie Ratschläge für andere blinde und sehbehinderte Menschen, die ebenfalls Gehörbeschwerden haben und auf der Suche nach medizinischer Hilfe sind. Darüber hinaus macht sie aufmerksam auf „den inklusiven Standard der MediClin Kliniken“. Ihrer Ansicht nach ist die Auflistung zum Umgang mit blinden und sehbehinderten Patienten „beispielhaft“.

 

Sonntag kommt zu folgendem Fazit: „Barrierefreiheit ist wirklich kein Hexenwerk, sondern sehr oft Offenheit und Kommunikation.“ In ihren Augen sei vielerorts das eigentliche Problem nicht das fehlende Personal, „sondern zu viel Berührungsangst“. Die Inklusionsbotschafterin fordert einen Standard, der einmal eingeführt „eine Bereicherung für alle und Basis für eine zukunftsorientiertes, inklusives Gesamtkonzept“ sei. Die „Barrieren im Kopf“ könnten beispielsweise durch Personalschulungen zum Umgang mit blinden und sehbehinderten Patienten überwunden werden, meint Sonntag.

 

Barrierefreiheit in Krankenhäusern – ein Thema für die Kliniksprecher?!
Zukunftsträchtig und wichtig ist die Problematik allemal. Schon seit längerem sind Schlagwörter wie Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe in aller Munde. Aufgabenfelder ergeben sich daraus für viele Branchen und Berufe. Vor welchen Herausforderungen stehen Kliniksprecher? Eine Möglichkeit zur Diskussion darüber haben Interessierte beim 10. Kliniksprechertag am 09. März 2017.

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