WHO: Weltweit fehlen 5,9 Millionen Pflegekräfte

von Linda Rauen

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Schon lange bevor Corona weltweit die Gesundheitssysteme an seine Grenzen gebracht hat, hat die die World Health Organisation (WHO) das Jahr 2020 zum Internationalen Jahr der Pflegefachkräfte und Hebammen erklärt. Welche Bedeutung ausgerechnet das Jahr 2020 für diese Berufsgruppen haben würde, konnte da noch niemand ahnen.

 

Es ist unglaublich, dass erst eine Pandemie und die schrecklichen Bilder aus überfüllten Krankenhäusern Politik und Öffentlichkeit vor Augen führen, wie wertvoll die Gesundheitsberufe für die Gesellschaft – gleichgültig welches Landes – sind. Heute nennt man das systemrelevant. Menschen stehen weltweit auf ihren Balkonen und klatschen für den Einsatz der Pflegekräfte und Ärztinnen und Ärzte. Denn die Corona-Krise führt uns mit aller Wucht vor Augen, dass die Gesundheitssysteme in vielen Ländern der sogenannten ersten Welt kaputtgespart wurden. In der Gesundheitsbranche selbst reibt man sich verwundert die Augen. Denn hier diskutiert man seit Jahren die fehlenden Investitionen und versucht trotz Mangelwirtschaft und Fachkräftemangel irgendwie die Patientenversorgung sicherzustellen. Vor allem der Fachkräftemangel in der Pflege gehört zu den größten Herausforderungen der Gesundheitssysteme der Gegenwart. Das zeigt auch erste WHO-Bericht zur „Lage der Pflegefachpersonen der Welt“ („State of the World’s Nursing Report“), den die Organisation jüngst veröffentlicht hat. Demnach fehlen weltweit 5,9 Millionen Pflegekräfte in Krankenhäusern, Heimen und sonstigen Einrichtungen. Der Bericht offenbart große Ungleichheiten in der Verteilung von Pflegerinnen und Pflegern. Besonders betroffen sind die Entwicklungs- und Schwellenländer. Hier fehlen allein 5,3 Millionen des weltweit benötigten zusätzlichen Fachpersonals. In einigen Ländern kommen auf 10.000 Einwohner nicht einmal zehn ausgebildete Krankenpflegerinnen und -pfleger. Der massive Brain-drain verschärft in diesen Ländern die Problematik: Wohlhabende Staaten wie Deutschland, Schweden oder Großbritannien versuchen den Mangel zu bekämpfen, indem sie Fachkräfte aus dem Ausland anwerben. Während die reichen Länder von dieser Strategie profitieren, bleiben die ohnehin schon unterversorgten Gesundheitssysteme auf der Strecke. Erschwerend hinzu kommt, dass die Bevölkerung in den ärmeren Regionen wie der Subsahara-Afrika oder Süd-Ost-Asien ständig wächst und sich der Fachkräftemangel in der Pflege dort noch weiter zuspitzen wird. Aber auch Nordamerika und Europa müssen eigene Herausforderungen bewältigen: So sind Pflegekräfte in diesen Ländern im Durchschnitt älter als 55 Jahre und gehen bald in den Ruhestand. Der Notstand wird also auch hierzulande immer größer.

 

Der WHO-Bericht macht deutlich: Der Mangel an Pflegekräften ist ein globales Problem, das sich in den kommenden Jahren massiv verstärken wird. Wie fragil auch scheinbar leistungsfähige Gesundheitssysteme sind, wenn das entsprechende Personal fehlt, zeigt sich derzeit in der Bewältigung der Corona-Pandemie. Darum ruft die WHO alle Mitgliedsstaaten dazu auf, genügend Pflegepersonal auszubilden (bis 2030 mindestens 6 Mio. neue Stellen in Entwicklungs- und Schwellenländern), diese Fachpersonen im Beruf zu halten und ihre Kompetenzen anzuerkennen und zu nutzen.

 

Internationales Jahr der Pflegenden und Hebammen

Schon im Mai 2019 hat die WHO verkündet, das Jahr 2020 den Pflegenden und Hebammen zu widmen. Anlass ist der 200. Geburtstags von Florence Nightingale am 12. Mai, dem Internationalen Tag der Pflegenden. Nightingale hat die moderne westliche Krankenpflege begründet. Die WHO hat im Zuge des Aktionsjahres zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen, die mitunter den Status der professionellen Pflege verbessern soll. Dazu zählen etwa die Kampagne „Nursing Now“ und die „#NightingaleChallenge“, über die wir hier bereits ausführlich berichtet haben.

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